Tarifanwendung

Die „klassische“ Anstoßtarifierung, also die Addition der Fahrpreise mehrerer hintereinander verkehrender Eisenbahnen auf einer Fahrkarte, spielt im modernen Schienenpersonenverkehr nur noch eine untergeordnete Rolle.


Die Anstoßtarifierung verhindert Degressionseffekte zugunsten des Kunden, wie sie bei einer durchgehend entfernungsdegressiven Preisbildung über den Gesamtweg entstehen würden, führt also tendenziell zu höheren Fahrpreisen. Darüber hinaus ist diese Form der Preisbildung nur möglich, wenn auf der „anzustoßenden“ Strecke ausschließlich ein EVU allein verkehrt.


Deshalb sehen die Ausschreibungen von SPNV-Leistungen heute i.d.R. keine Anstoßtarifierung vor, damit nicht bereits ein möglicher Betreiberwechsel auf einer Strecke per se zu einer Preiserhöhung für die Kunden führt.

Während die Anstoßtarifierung für den Eisenbahnverkehr selbst also tendenziell ein „Auslaufmodell“ darstellt, haben sich in den vergangenen Jahren andere Verkehrsbereiche herauskristallisiert, in denen eine Anstoßpreisbildung zweckmäßige Lösungen bietet.

Dies gilt insbesondere für Fälle, bei denen sich veränderte Nachfrageströme ergeben haben oder für Gebiete mit stark gewachsener Bedeutung im Freizeit- und Tourismusverkehr, wenn diese Verkehrsnachfragen nicht im Eisenbahnverkehr befriedigt werden können, weil keine SPNV-Anbindungen existieren. In diesen Fällen können auch „andere Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs“ mit sog. „NV-Blättern“ in den Anstoßtarif integriert werden.

 

Hierfür gelten insbesondere folgende Voraussetzungen:

  • Es handelt sich zweifelsfrei um Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
  • Für die einbezogenen Verkehrsleistungen kommen Regelungen und Beschlüsse des TBNE analog zur Anwendung.
  • Es handelt sich nicht um schienenparallele Verkehre (Abgrenzbarkeit in der Einnahmezuschneidung nicht möglich) bzw. keine Parallelverkehre zu bestehenden Verkehren im Rahmen der Anstoßtarifierung (abfertigungstechnisch nicht erstellbar).
  • Eine Mitgliedschaft im TBNE entsteht durch die Aufnahme eines NV-Blattes in den Tarif „BB Anstoßverkehr“ nicht, ebenso kein Anspruch auf eine Mitgliedschaft. In den TBNE können ausschließlich EVU entsprechend der Satzungsdefinition aufgenommen werden.

Zur Konkretisierung der Möglichkeit einer Einbeziehung dieser ÖPNV-Leistungen sollen in Kürze Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) erarbeitet und veröffentlicht werden.

Mitglied im TBNE: WEG

TBNE-Flash-Alternative